Was gibt es für unterschiedliche Schleifmaterialien und welche Vor- und Nachteile haben sie?

Geposted von Tom Hillienhoff am

Oft redet man einfach von Schleifpapier, Schmirgelpapier oder Sandpapier, doch die Zeit in der es dabei nur um Papier geht, ist längst vorbei. Es gibt mittlerweile sehr unterschiedliche Arten von Schleifmitteln und man kann leicht den Überblick verlieren. Ich möchte dir heute die fünf wichtigsten Arten vorstellen und dir sagen, welche Vorteile oder Nachteile die einzelnen Schleifmittel haben.

Fangen wir mit dem klassischen Schleifpapier an: Hierbei handelt es sich um etwas stärkeres Papier, auf das die unterschiedlich großen Schleifpartikel gleichmäßig verteilt aufgeklebt werden. Es ist wohl das bekannteste Schleifmittel und ich wette, auch du hattest es schonmal in der Hand. Ein Vorteil von Schleifpapier ist ganz klar der Preis. Schleifpapier ist mit Abstand das günstigste Schleifmittel und kostet als Meterrolle weniger als einen Euro. Ein Vorteil, der sich daraus ergibt: Man kann sich für jedes Mal schleifen ein neues Stück nehmen und hat immer die gleiche Schleifleistung. Ein Nachteil bei Schleifpapier ist jedoch, dass es nicht besonders flexibel ist. Vor allem bei gröberem Schleifpapier fällt das auf, wenn man feine Hohlkehlen oder eine Schale von innen schleifen will. Damit geht auch die nächste Schwierigkeit einher, nämlich dass man das Schleifpapier nicht biegen oder knicken kann, sondern man es eher bricht. Dadurch können an der Kante Schleifpartikel so abstehen, dass sie starke Riefen ins Holz schleifen. Das ist äußerst unschön und sollte unbedingt vermieden werden. Im Laufe des Schleifprozesses kann es dir passieren, dass du die Schleifpartikel vom Schleifpapier runterschleifst und nur noch das Papier in der Hand hast. Dann hilft nur der Griff in die Werkzeugschublade, um dir ein neues Stück zu holen. Wenn du ein Projekt nass schleifen willst, dann ist Schleifpapier nicht das Richtige für dich. Durch das Wasser weicht das Papier auf und wird instabil.

Zum Nassschleifen bist du mit Schleifleinen besser beraten. Bei Schleifleinen sind die Schleifpartikel auf einem Stück festem Gewebsstoff befestigt und weichen dadurch im Wasser nicht auf. Einen weiteren Vorteil bieten Schleifleinen in Bezug auf die Handhabung. Dadurch dass das Trägermaterial deutlich flexibler ist, lassen sich die Schleifleinen viel besser formen und an die Oberfläche anpassen. Auch hat man nicht so ein Problem damit, die Schleifleinen zu knicken. Vereinzelt kann es auch hier dazu kommen, dass Schleifpartikel abstehen, das kannst du jedoch umgehen, wenn du die Schleifleinen nicht knickst, sondern nur umklappst. Schleifleinen sind schon deutlich teurer als das Schleifpapier, mit 3-5€ pro Meter aber immer noch gut bezahlbar.

Deutlich unbekannter sind Schleifgitter (auch Schleifnetze genannt). Dabei handelt es sich um feinmaschige Netze aus Nylon, auf die Aluminiumoxid als Schleifmittel aufgetragen ist. Durch die Netzstruktur hat es überall kleine Löcher, sodass der Staub entweichen kann und sich das Schleifgitter nicht so schnell mit Staub zusetzt. Das erhöht deutlich spürbar die Lebensdauer, laut Hersteller ist sie doppelt so hoch wie bei anderen Schleifmitteln. Die Biege- und Knickeigenschaften sind so wie bei Schleifleinen, mit dem Schleifgitter lässt sich jedoch ein sehr viel höherer Materialabtrag erzielen, als das bei anderen Schleifmitteln gleicher Körnung der Fall wäre. Ein Nachteil ist, dass es sich nicht gut zum Nassschleifen eignet, da die kleinen Löcher schnell mit dem Staub verkleben und die Schleifleistung verringert wird. Preislich liegt es deutlich über Schleifpapier und -leinen, der Preis relativiert sich jedoch etwas durch die Langlebigkeit.

Ein ebenfalls eher unbekanntes Schleifmittel sind Schleifschwämme oder Polierschwämme. Das Besondere ist, dass die Schleifpartikel auf einem Schleifkörper aus Schaumstoff oder einem ähnlichen Material aufgebracht sind. Durch den flexiblen Untergrund passen sich die Schleifpartikel an die Oberfläche an und erzeugen damit einen wesentlich feineren Schliff und bergen weniger die Gefahr, Riefen zu produzieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Seite mit den Fingern nicht so schnell heiß wird. Das ist vor allem für Menschen wie mich gut, die immer wieder vergessen, dass beim Schleifen Hitze entsteht und man sich dabei die Finger verbrennen kann 😉. Unpraktisch wird es, wenn man kleine Details, Kerben oder kleine Hohlräume schleifen möchte. Hier ist ein Schleifschwamm oft zu groß und unförmig und Details wären schnell verschliffen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Schleifschwämme oft nicht mit Angabe der Körnung, sondern nur als fein, mittel und grob eingeteilt werden. Wenn man in einer Kombination mit anderen Schleifmitteln schleift, muss man sich auf sein Gefühl verlassen, in welcher Reihenfolge man die Schleifmittel einsetzt. Preislich gehören die Schleifschwämme eher zu den teureren Schleifmitteln, man hat jedoch die doppelte Schleiffläche, da sie in der Regel beidseitig verwendbar sind.

Ganz ähnlich ist auch MicroMesh, der Hauptunterschied ist, dass MicroMesh in der Regel deutlich feiner ist. Es wird verwendet, um aus dem Holz die maximale Glätte und Spiegelung herauszuholen und wird für einige Drechsler aufgrund mangelnder Einsatzmöglichkeiten gänzlich uninteressant sein. Bei Epoxidharz oder anderen Kunststoffen hilft es jedoch eine absolut saubere und Kratzerfreie Oberfläche zu erzeugen. Auch MicroMesh gehört zu den teureren Schleifmitteln, wegen der geringen Einsatzmöglichkeiten werden die meisten jedoch lange damit auskommen.

Jetzt stellst du dir wahrscheinlich die Frage, welches denn nun das beste Schleifmittel ist und welches du dir als nächstes zulegen solltest. Die Frage lässt sich ganz pauschal leider nicht beantworten und hängt stark davon ab, was du schleifen möchtest. Ich habe dir hier nochmal eine Tabelle mit den verschiedenen Schleifmitteln und den jeweiligen Vor- und Nachteilen zusammengestellt, dann fällt dir die Entscheidung hoffentlich etwas leichter. In vielen Fällen kann auch eine Kombination verschiedener Schleifmittel sinnvoll sein, bei den Stiften nutze ich beispielsweise Schleifgitter bis 400, anschließend 600er und 800er Schleifpapier und dann MicroMesh für den Feinschliff.

 

Träger-
material
Papier Leinen Gitter Schwamm Micro Mesh
Gefahr für Riefen hoch, vor allem wenn es geknickt wird mäßig mäßig gering sehr gering
Nass-schleifen nein ja nein ja ja
Preis €€ €€€ €€€ €€€
für kleine Details geeignet + ++ ++ - -
Lebens-dauer/
Standzeit
gering mäßig hoch mäßig hoch

 

 

Neben diesen fünf Schleifmitteln kenne ich noch Schleifvlies und Stahlwolle, mit beiden habe ich jedoch keine Erfahrungen, deshalb kann ich darüber nicht berichten. Wenn du mit den vorgestellten oder mit ganz anderen Schleifmitteln Erfahrung hast, freuen sich die anderen Leser bestimmt, wenn du einen Kommentar dazu schreibst.

 

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