Anleitung zum Schleifen von Langholzprojekten

Geposted von Tom Hillienhoff am

Das Schleifen ist beim Drechseln eine der simpelsten und gleichzeitig eine der bedeutendsten Aufgaben beim Drechseln. Denn erst durch den richtigen Schliff und eine schöne und saubere Oberfläche bekommt das Werkstück seine ganze Schönheit. Auf der anderen Seite kann man beim Schleifen ein Werkstück auch nahezu komplett ruinieren, denn auch der schönste Stift, die schönste Pfeffermühle und der schönste Kerzenständer sehen nur halb so gut aus, wenn die Oberfläche rau und verkratzt ist oder Formelemente verschliffen wurden. Um dir diese Erfahrung zu ersparen, möchte ich dir hier die wichtigsten Punkte vorstellen, die du beim Schleifen beachten solltest und die dich vor häufigen Fehlern bewahren.

Nachdem der Drechselprozess abgeschlossen ist, solltest du nicht direkt mit dem Schleifen beginnen. Die erste wichtige Frage, die du dir stellst: Bei welcher Körnung fange ich an zu schleifen?

Hierfür schaust du dir das Werkstück genau an und entscheidest, ob es noch Stellen gibt, bei denen Material abgetragen werden muss, zum Beispiel in Folge von Ratterspuren, Kratzern oder Ausrissen. Wenn das der Fall ist, würde ich dir raten mit einer 80er Körnung zu starten. Ansonsten hängt es davon ab, wie glatt du die Oberfläche beim Drechseln schon bekommen hast, mit welcher Körnung du startest. Versuche am besten beim nächsten Schleifen mal darauf zu achten, wie glatt das Holz nach welcher Körnung ist. Das Ziel sollte sein, so fein zu starten, dass du die Oberfläche nicht wieder rauer machst, aber so grob, dass du eine schnelle Verbesserung der Oberfläche hinbekommst. Als grobe Richtwerte würde ich dir 120er bei eher rauen Oberflächen, 180er bei guten Oberflächen und 240er bei sehr guten Oberflächen empfehlen. Und wie so oft ist es auch hier das Beste, wenn du ausprobierst und Erfahrungen sammelst.

Die nächste Frage die du dir stellen musst: Bis zu welcher Körnung will ich schleifen?

Dieser Punkt wird immer wieder unterschätzt, denn feiner ist nicht immer besser. Zum einen gilt auch beim Schleifen das Pareto-Prinzip. Mit 20% Schleifaufwand kannst du bereits 80% der möglichen Oberflächenverbesserung erzielen. Insbesondere bei den sehr feinen Körnungen kann das Schleifen schnell ineffizient werden. Zum anderen kann eine zu feine Oberfläche gerade bei Gebrauchsgegenständen auch abschreckend wirken. Es wäre zu schade, wenn die Pfeffermühle nicht zum Einsatz kommt, weil man ständig Angst hat, dass man die Oberfläche beschädigt. Und gleichzeitig gibt es auch Fälle, in denen eine bessere Oberfläche ein Gewinn ist. Bei meinen Stiften schleife ich das Holz sehr fein, weil es sich besonders edel anfühlen soll damit zu schreiben. Daher habe ich mich in diesem Fall dazu entschieden, die Oberfläche so glatt zu schleifen, wie es nur geht. Meistens schleife ich Dinge, die eher in den Bereich von Gebrauchsgegenständen gehen (z.B. Dosen, Kreisel, Kerzenständer) bis Körnung 400. Das Holz ist dann schön glatt, es glänzt aber noch nicht (übermäßig). Wenn es noch rustikaler sein soll, kann auch schon 240 ausreichend sein. Hefte für Drechseleisen wären ein Beispiel, wobei man die auch komplett ungeschliffen lassen kann, um sich daran zu freuen, wie schön die Oberfläche auch ohne Schleifpapier geworden ist.

Wenn du das geklärt hast, kann das schleifen losgehen. Dabei ist es wichtig, dass du darauf achtest, keine Formen zu verschleifen oder Kanten zu stark zu verrunden. Je gröber das Schleifpapier, desto größer ist auch die Gefahr, dass du unbeabsichtigt die Form veränderst. Hierfür kann es nötig sein, dass du mit Hilfsmitteln schleifst. Hohlkehlen lassen sich zum Beispiel gut schleifen, wenn du das Schleifpapier um einen Stift wickelst. Für Kerben eignet sich ein Lineal gut und wenn du etwas komplett zylindrisch schleifen willst, kann ein Schleifklotz sinnvoll sein.

Die Abstufungen der Schleifpapiere kannst du an sich frei wählen und es hängt natürlich auch davon ab, welches Schleifpapier du gerade zur Verfügung hast. Bei mir hat sich 80, 120, 180, 240, 320 und 400 als Abstufungen bewährt. Mit dem nächst feineren kann ich noch genug Material abtragen, um die gesamte Oberfläche zu verbessern, aber die Abstufungen sind groß genug, dass ich von einem Schleifpapier zum nächsten eine spürbare Verbesserung der Oberfläche erzeugen kann.

Ist es dir auch schonmal passiert, dass du unschöne Riefen beim Schleifen produziert hast? Falls ja weißt du wahrscheinlich wie nervig es ist, zu versuchen, diese wieder wegzuschleifen. Um die kleinen Rillen von vorn herein zu vermeiden, solltest du vier Punkte beachten:

  1. Schleife nicht mit gröberem Schleifpapier als du eigentlich musst. Bei grobem Schleifpapier ist durch die größeren Partikel auch das Risiko von Schleifspuren größer.
  2. Schleife mit etwas weniger Druck. Dadurch trägst du zwar nicht ganz so schnell Material ab, musst dafür aber auch keine Riefen wieder wegschleifen.
  3. Bewege das Schleifpapier immer hin und her. Dadurch verhinderst du, dass große Rillen entstehen, wenn das Schleifpapier an einer Stelle nicht gleichmäßig ist.
  4. Verwende statt Papier lieber ein flexibleres Trägermaterial. Welche es da gibt und welche Vorteile das hat, kannst du hier nachlesen.

Manchmal wirst du jedoch auch das Problem haben, dass immer wieder kleine Spuren sichtbar sind, obwohl du die vier Punkte beachtet hast. Das Gute dabei: Du wirst diese Riefen wahrscheinlich nicht spüren, sondern nur sehen können. Dann gibt es drei gute Wege, um trotzdem eine schöne Oberfläche zu erzeugen:

  1. Schleife nach einem Schleifdurchgang bei stehender Drechselbank mit der Faserrichtung. Durch die natürliche Struktur des Holzes werden die Spuren unsichtbar.
  2. Nutze etwas älteres „verschliffenes“ Schleifpapier als Zwischenstufe zur nächsten Körnung. Durch das Schleifen sind die Unebenheiten im Schleifpapier verringert worden. Dadurch ist es leichter keine neuen Riefen zu produzieren.
  3. Nutze einen Schleifschwamm. Durch den flexiblen Untergrund können sich die Schleifpartikel besser an die Oberfläche anpassen und du erhältst eine gleichmäßigere Oberfläche.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesen Tipps weiterhelfen und wünsche dir ganz viel Spaß beim Schleifen deines nächsten Projekts. Du kennst noch weitere coole Tipps? Dann schreib sie gerne in die Kommentare, ich bin mir sicher, dass sich die anderen darüber freuen und du ihnen damit weiterhelfen kannst.

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